Kindheitssymbole

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Wie Bebilderungen sich oft gleichen! Manchmal bin ich es überdrüssig: Der Teddy ist ja das Kindheitssymbol schlechthin; der Teddy mit abgerissenem Arm verweist auf die unglückliche Kindheit, auf das verletzte Kind oder gleich auf die ganze Kinderkrankenstation. Jeder scheint das zu verstehen – praktisch, nicht wahr?!

Ja, praktisch… manchmal schon. Aber mal im Ernst: Fühlen Sie das auch? Ich nicht. Es ist oft assoziationsarm, finde ich. Meine Kindheit hatte mit einem Teddy nämlich nichts zu tun. Es war ein handgemachter Frosch aus grünem und grün-weiß-gestreiftem Niki, den unsere Nachbarin Frau Panther (hieß sie wirklich so?) für mich genäht hatte und einen ähnlichen für meine Schwester. Den habe ich im Alter von zwei bis ich-weiß-nicht-wieviel-Jahren durch Haus und Garten geschleppt. Nein, ich glaube waschbar war er nicht. Jedenfalls stand nichts dran. Ich weiß heute auch nur noch schemenhaft, wie er ausgesehen hat. Ich sollte mal in den Familienalben suchen, ein Frosch von solcher Eminenz muss Spuren hinterlassen haben. Irgendwann fiel er dann aber sicherlich auseinander, ich kann ihn nur noch in Gedanken greifen.

Jedenfalls wäre er eins der Haupt-Symbole meiner Kindheit, er gehört auf ein Deckblatt in meinem Erinnerungsbuch. Nicht ein Teddy wie dieser im Bild, der zufällig meinem Sohn gehört und mit dem dieser übrigens nie gespielt hat. Nur heute hat er ihm – deswegen rückt mir das Motiv in den Blick – die rote Schleife vom Hals geschnitten und sie in Stücke zerfetzt. Hat das jetzt Symbolcharakter?

Naja… eher nicht…. oder höchstens für mich: ein fast willkommenes Bild. Ich bin zwar gar keine Teddy-Hasserin 😝, aber ich hasse die Stereotypisierung von Bildern. Sie passt für mich einfach nicht in eine Zeit, in der jeder ständig eigene – ureigene! – Bilder produzieren kann. Janoschs Tigerente war wohl mal ein wundervolles Anti-Stereotyp. Aber schon in meiner Kindheit war sie Mainstream und Marke. Auf meinem Erinnerungsblatt hat sie deswegen (wie ein Teddy) nicht viel verloren. Worauf will ich hinaus?

Ja, Marken sind  manchmal kindheitsprägend, manche Marken, Erignisse, Dinge und Bilder codieren tatsächlich eine ganze Generation. Deswegen wird die  Abschilderung von solchen Marken-Ikonen (z.B. Florian Illies: „Generation Golf“ 2000) mitunter Kult. Und ja, manche Bilder kehren auch trans-generationell immer wieder wie meinetwegen der Teddy oder die Spielzeug-Eisenbahn oder der Ball. Trotzdem: Überlegen Sie doch mal, wie es in Ihrer Kindheit ausgesehen hat. Welche Materialien, welche Dinge, welche Muster und welche Farben haben damals Ihren Alltag geprägt? Was geschieht, wenn Sie daran denken? Was möchten Sie gedanklich noch einmal in die Hand nehmen?

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Man ahnt es schon, neben mir liegt heute Abend ein imaginärer Niki-Frosch – schlafen Sie auch so gut!

 

 

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