10 Fehler, die man beim Schreiben seiner Biographie vermeiden sollte!

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1. Fehler: Du versuchst, Dich in Deiner Schreibvorbereitung an „alles“ zu erinnern!

Das geht zum einen gar nicht. Denn Dein Unterbewusstsein speichert zwar alles, was Du erlebst, doch Du hast nur ausschnittweise darauf Zugriff. Zum anderen braucht Dich diese Gesamtmenge Deiner Erinnerungen im Vorfeld gar nicht zu kümmern: Im Prozess des Schreibens wird Dein Unterbewusstsein von ganz allein eine Menge Erinnerungen freigeben, an die Du willentlich nie herankommen würdest.

2. Fehler: Du versuchst „alles“ zu schreiben!

In eine Biographie gehört nicht „alles“, sie würde sonst endlos lange werden beziehungsweise hätte überhaupt kein richtiges Ende. Selbst der Plan, das bereits Erlebte ganz ausführlich zu beschreiben, ist zum Scheitern verurteilt. Allein der Gedanke an einen schier endlosen Schreibprozess, wird Dich abschrecken. Nimm Dir lieber vor, etwa 200 Seiten zu schreiben, das ist eine angenehme Länge für Deine/n LeserIn. Dieser Umfang lässt sich außerdem gut  überblicken. Strukuriere das Ganze um Beispiel grob in 12 Kapitel. So wirst Du den Überblick über Deinen Text nicht verlieren und kannst dem Schreibprozess gelassen entgegensehen. (Wenn Dir dieser Raum am Ende nicht reicht: Kein Problem!)

3. Fehler: Du schreibst einen Bericht!

Wir sind nun mal darauf getrimmt, immer zügig und stichhaltig zu schreiben. Dabei konzentrieren wir uns auf alle W-Fragen (Wer? Was? Wann? Wo? Mit Wem? Warum?). Und merken gar nicht, dass wir an unseren Erlebnissen vorbeischreiben. Diese Texte werden Dich selbst langweilen und meist auch Deine Leser. Schreibe szenisch! Wo gingst Du gerade entlang? Was dachtest Du in diesem Moment (ganz egal, ob, Du Dich dabei getäuscht hast)? Wie war das Wetter? Wie klang oder roch es dort? Welche Gefühle machten die Situation für Dich aus? Und so weiter…

4. Fehler: Du versuchst alles zu verknüpfen und zu erklären!

Menschen neigen bekanntlich dazu, für alles kausale Erklärungen zu suchen. Doch unser Vermögen das eigene Leben zu erklären, ist eher gering. Wir sind nun mal die Erlebenden, nicht die, die alles lenken. Der Versuch, für alles eine Erklärung zu geben, wird Deine Biographie schnell fade und aufgesetzt wirken lassen. Zudem wird der Erklär-Fokus es Dir selbst unmöglich machen, genau das zu schreiben, was Deine Erinnerungen ausmacht. In unserem eigenen Leben ist die Frage des Warums oft gar nicht so wichtig. Unser eigenes Ich verknüpft die Ereignisse miteinander, das reicht als Zusammenhang vollkommen aus.

5. Fehler: Du hast Angst, was andere von Dir denken werden!

Diese Angst ist zweifellos sehr verbreitet. Doch erstens kannst Du natürlich selbst bestimmen, wer wann Deine Texte lesen darf. Vielleicht schreibst Du nur für Dich selbst? Vielleicht gibst Du alles Deinem Notar, der es für einige Jahrzehnte verwahrt? Zweitens ist diese Angst in den meisten Fällen unbegründet. Wer sein inneres Erleben offen und unverstellt erzählt, erfährt fast immer große Anerkennung von seiner Umgebung und gewinnt viel menschliche Nähe. Wahrscheinlich fangen Deine Freunde und Verwandten plötzlich an, aus ihrem Leben auszupacken und erzählen Dir etwas, was sie Dir sonst niemals anvertraut hätten…

6. Fehler: Du willst keinen Deiner Verwandten und Freunde verletzen.

Deine Rücksichtnahme ist löblich, andererseits kannst Du nie im Voraus sicher wissen, wer Dir was krumm nehmen wird…. In jedem Fall kannst Du manches mildern, insbesondere indem Du Dich auf die guten Menschen in Deinem Leben konzentrierst. Übrigens rührt es die meisten Menschen sehr, wenn Du sie in Deiner Lebensgeschichte würdigst. Ein kleines Risiko, dass jemand etwas falsch auffasst oder Einspruch erhebt ist immer vorhanden. Weil jeder die Dinge etwas anders sieht und erlebt. Hierin liegt zugleich ein Chance: Gemeinsam verlebendigt Ihr Eure Erinnerungen und könnt sogar an das ein oder andere Lebenskapitel neu anknüpfen.

7. Fehler: Du denkst, Du hast keine Zeit zum Schreiben.

Zeit haben ist relativ. Gehe strukturiert, aber mit Leichtigkeit an die Sache. Notiere in ein Heft, dass Du immer bei Dir trägst, ein kleines Erinnerungsdetail wann immer Du eine Minute Zeit hast. Begreife jeden Textabschnitt als Gewinn! Bereits das Aufschreiben nur einer einzigen Kindheitsszene ist eine Leistung, über die Du Dich freuen wirst. Je lebendiger und konkreter Du schreibst, um leichter wird ein Schreib-Sog entstehen, der Dich in Dein Projekt hineinzieht.

8. Fehler: Du meinst, Du kannst nicht schreiben.

Eine ganz einfache alltägliche Sprache reicht zum Schreiben Deiner eigenen Lebensgeschichte vollkommen aus. Wenn Dir das selber nicht genügt: Was Dir liegt und in Deinem eigenen Text gut wirkt, das lernst Du ganz einfach beim Schreiben und Wieder-Lesen Deiner Texte. Das Lesen publizierter Biographien kann Dich anregen. Aber lass Dich von tollen, professionellen Texten nicht einschüchtern!!! Sie sind nicht der Maßstab für ein stimmiges, privates Schreiben. (Wenn Du richtig vorankommen und Dein Schreibniveau verbessern möchtest: Leiste Dir ein gutes Lektorat.)

9. Fehler: Du zweifelst, ob das alles irgendwen interessiert.

Es gibt mehrere Aspekte, die einen Text lesenswert machen, zum Beispiel das Verhältnis zwischen LeserIn und VerfasserIn. Aber sind Unaufgesetztheit, Authentizität und Konkretheit wichtige Aspekte, die jeder erreichen kann. Die Frage, ob Dein Leben wirklich extraordinär war, stellt sicherlich ein Verlag, nicht aber Deine Freunde und Verwandten. Schreib entweder direkt für Dich selbst oder für einen nahen Menschen, dann kannst Du mit Sicherheit beurteilen, was interessant ist und was eher nicht.

10. Fehler: Du glaubst, Du bist zu jung, Deine Autobiographie zu schreiben.

Tatsächlich können Formen der Biographiearbeit bereits im Kindesalter sinnvoll sein. Eigentlich kann man höchstens zu alt dafür sein, nämlich wenn man geistig und körperlich selbst nicht mehr in der Lage ist, zu schreiben. Oder wenn man nicht mehr lebt…. 😳 Dann hilft ein/e Biograph/In, indem er für Dich schreibt, er/sie kann auch Deine Angehörigen interviewen. (Eine/n Biographin/en zu beauftragen, kann auch dann eine sinnvolle Lösung sein, wenn Du am Ende dieser Liste immer noch das Gefühl hast, dass Du dem Schreiben Deiner eigenen Biographie nicht gewachsen bist.) Wenn Du noch sehr jung bist, dann ist allein Dein Interesse entscheidend. Das biographische Schreiben wird Dir helfen, Dein Leben zu ordnen, bestimmte Themen aufzuarbeiten, anstehende Entscheidungen zu treffen. Oder einfach einen guten Text, der Dir Freude macht vorzulegen und zu teilen!

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