„Bei mir müssen die Leute gar nichts“

Ein Interview mit Kerstin Wodetzky über die Arbeit als Seelenpflegerin

(Bitte klicken Sie auf das Bild, um das Interview zu hören.)

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Was machen BiographInnen? Ich geb‘ es zu, nur ganz selten wird mir diese Frage überhaupt gestellt und die Antwort ist im Kern so einfach, dass der Fragende meinen Antwortsatz nach wenigen Worten schon absehen kann:

„Definition: Als Biographin helfe ich Menschen dabei, ihre Lebensgeschichte aufzuschreiben und zu publizieren.“

Was so einfach klingt, hat viele Facetten. Eine der schönsten Facetten ist die Offenheit, die ich meinem Auftraggeber gegenüber einnehmen darf. Der Auftrag laut nämlich, das Buch seines Lebens zu schreiben. Und was genau das umfasst, scheint nur am Anfang ganz fest umrissen. Dann erweist es sich – zum Glück! – immer als ein spannender Prozess. Es gibt mitunter Wendepunkte und Planänderungen, manches ahne ich sogar im Voraus, anderes überrascht mich.  In jedem Fall bleibe ich nah am Herz meines Kunden, denn allein er / sie legt fest, was an seinem / ihrem Leben das Besondere und Erzählenswerte war und ist, wo ein Schwerpunkt gelegt werden soll und wo bitte nicht. Und ich finde es wichtig zu ergänzen: Die entstehenden Bücher werden in diesem Prozess stimmiger und dichter und der individuelle rote Faden wird immer deutlicher sichtbar.

Neue Erzähl- und Lebensfreude

Und nun zum heutigen Fokus: Vor einigen Monaten lernte ich die Seelenpflegerin Kerstin Wodetzky zufällig in einem Café kennen. Sie hatte mitbekommen, wie ich mit einem Biographie-Interessenten ein intensives Vorgespräch führte. Manches daran hat sie an ihre eigene Arbeit erinnert, berichtete sie später. Jedenfalls – typisch Kerstin – sprach sie mich im Anschluss einfach direkt an. Wir unterhielten uns lange und sind seitdem immer wieder im Gespräch. Was eine Seelenpflegerin macht, habe ich allmählich immer genauer verstanden. Ja, es lässt sich nicht so leicht auf eine Formel bringen wie bei meiner Arbeit. Als Seelenpflegerin begleitet Kerstin Menschen auf ihrem Lebensweg, hat Zeit und Offenheit für sie, lässt sie aufblühen, indem sie ganz viel Druck von ihnen nimmt. Das Erzählen der eigenen Lebensgeschichte ist kein Muss, doch oft wird es dann ein ganz leichtfüßiger Teil der Gespräche. Und gerade diejenigen Menschen, denen die Lust am Erzählen eigentlich vergangen war, bekommen bei Kerstin neue Erzähl- und Lebensfreude.

Ich habe Kerstin zum Interview eingeladen, um mit meinen Lesern / Hörern zu teilen, was ich über sie erfahren habe. Ihre Arbeit soll noch viel sichtbarer werden, denn es sind  „kleine individuelle Wunder“, die sie in ganz enger Zusammenarbeit mit ihren Klienten vollbringt. Und im Gespräch haben wir spannende Überschneidungspunkte wahrgenommen, die uns auf den ersten Blick gar nicht ins Auge gefallen sind. Zum Beispiel wäre da die Offenheit, die wir beide zu unserer Arbeitsgrundlage erklärt haben. Ich bin sicher, wir werden uns noch öfters unterhalten.

Informationen und Kontakt zu Kerstin Wodetzky: http://www.seelen-pflegerin.de

 

 

 

 

 

 

 

 

2 Kommentare zu „„Bei mir müssen die Leute gar nichts“

  1. Mein Vater wurde die letzten Jahre seines Lebens von Kerstin besucht, anfangs zwei mal die Woche und im Letzten Jahr, leider im Pflegeheim, einmal die Woche.
    Natürlich kümmerten wir Kinder und Enkel uns um ihn, eine liebe Nachbarin besuchte ihn einmal in der Woche mit frisch gebackenem Kuchen und der Pflegedienst war regelmäßig u. a. zu Betreuungs-Stunden bei ihm.
    Mit Kerstin jedoch verband ihn eine besondere Qualität. Als fremde Person herrschte anfangs Misstrauen das bald vergessen war. Ihre Begabung sich in die Menschen einzufühlen und auf sie einzugehen schaffte bald eine Verbundenheit besonderer Art, die ich als Tochter nicht leisten konnte, warum auch immer. Ich beobachtete wahres Interesse an der Person meines Vaters, ein echtes sich mögen, eine erstaunliche Offenheit und Leichtigkeit beider, wenn sie da war.
    Im Pflegeheim tuschelten die älteren Damen, ob das wohl seine junge Freundin sei, immerhin bekam er zur Begrüßung und zum Abschied ein Küsschen auf die Wange. Ich habe nichts verraten und mein Vater genoss das Geheimnisvolle. Ich muss schmunzeln, wenn ich daran denke und es macht mir ein warmes Gefühl, dass er dies erleben durfte.
    Habe kürzlich mal wieder mit Kerstin telefoniert, sie ist gerade dabei, sich weiter zu bilden auf einem hoch interessanten innovativen Pfad.
    Neugierig?

  2. Vielen Dank für Ihren Kommentar! Kerstin Wodetzky hat sich sehr gefreut!
    Danke auch für den Tipp. Über ihre aktuelle Ausbildung haben wir schon mehrmals gesprochen.
    Ja, vermutlich ist auch das ein Thema, dass die Leser interessieren wird.

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