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Woran ich gerade schreibe: Auszug aus der Biographie einer jungen Frau

F2CC7A62-BDDF-45D0-BA00-E6A23CC5BB41Heute möchte ich Ihnen gerne einen näheren Einblick in meine Arbeit geben. Ich teile mit Ihnen einen Auszug aus einer Biographie, die in Kürze abgeschlossen sein wird.  (Meine Kundin hat diesen Auszug für diesen Zusammenhang selbstverständlich autorisiert.) Hier lernen Sie beispielhaft meine Art zu schreiben kennen (in diesem Fall adaptiere ich die Stimme eines jungen Mädchens). Und Sie erleben meine Stimme und Art zu sprechen.

Das Buch erzählt einen wichtigen Abschnitt im Leben einer 32-jährigen Frau. Sie möchte Ereignisse aufarbeiten, die in der Zeit zwischen ihrem 15. und 22. Lebensjahr geschehen sind. “Emotionaler Missbrauch” war ein Stichwort, mit dem sie später im Rahmen einer Psychotherapie über diese Erlebnisse konfrontiert wurde. Die Psychotherapie war der erste mutige Anlauf, den die junge Frau unternahm, um mit ihren Erlebnissen ins Reine zu kommen. Doch sie empfand diese Aufarbeitung als nur teilweise geglückt. Sie konnte nun zwar klarer und sachlicher beurteilen, was geschehen war. Aber sie sah einen entscheidenden Teil ihrer Lebensgeschichte schmerzhaft abgewertet. Denn sie selbst hatte von dieser langen und prägenden Lebensetappe für sich selbst nicht nur negative Erinnerungen zurückbehalten. Vielmehr waren viele bewegende, menschlich wichtige Momente enthalten und diese sind in ihrer Erinnerung noch immer sehr präsent. Zudem leitete daraus für sie wichtige Erkenntnisse ab, die sie gerne mit der Öffentlichkeit teilen wollte.

Daraus entstand der Wunsch nach ihrer eigenen Biographie. Insbesondere wollte die Kundin ihre Erlebnisse in aller Lebendigkeit und Differenziertheit darstellen. Ähnlich wie bei einem Roman sollten die LeserInnen in einen Sog geraten, sie sollten sich mitten in der Welt der jungen Frau empfinden und die Ereignisse und Erkenntnisse auf diese Weise besonders tief und wirkungsvoll begreifen.

Unter Pseudonym publiziert

Die erzählte Geschichte ist in mehrfacher Hinsicht brisant. Daher ist sie im persönlichen Umfeld der Kundin noch immer geheim und wird es auch bleiben. Um dennoch mit der Öffentlichkeit in Kontakt treten zu können, entschied meine Kundin, ein Pseudonym zu wählen. Ein erfundener Name steht auf dem Titelblatt, niemand erfährt, wer hier tatsächlich erzählt. Damit einher geht eine partielle Verfremdung der Geschichte – unabdingbar um alle Personen zu schützen und um die innersten Gedanken ohne Angst schildern zu können.

Entstanden ist ein sehr persönliches und bewegendes Buch von über 300 Seiten Umfang. Ich bin sehr glücklich, diese Geschichte für meine Kundin schreiben zu dürfen.

“Die Welt sieht uns auf andere Weise, in ihren Augen bist Du 15 und ich bin 47”

Das Buch erzählt lebhaft nuanciert und ohne Schwarzweißmalerei die sehr diffizile Geschichte einer ungleichen Liebe.

Kurzusammenfassung:

Charlie ist 15 und macht im Jahr 2001 ein Auslandspraktikum auf einer Farm in Irland. Ihr Gastvater ist der 32 Jahre ältere Kian. Anfangs wirkt er abweisend und rätselhaft auf sie. Und Charlie konzentriert sich ganz auf die herausfordernde neue Arbeit mit den Tieren der Farm. Nach und nach bricht das Eis, eine gegenseitige Faszination wird spürbar. Charlie bleibt viel länger in Irland als geplant. Zeit genug für den 47-jährigen Kian, die junge, tüchtige und sehr realistisch abwägende Charlie Schritt für Schritt in eine verwirrende Romanze zu verwickeln, die sie viele Jahre lang nicht mehr loslassen und die sich dramatisch zuspitzen wird.

Meine Münchner Lesung aus dieser Biographie mit dem Titel Sag niemals nie. Eine unmögliche Liebe in Irland ist als Hörbuch im Biographiezentrum erschienen.

Hören Sie hier meine Lesung aus diesem Buch, die am 19. Januar 2018 in München stattfand. Die Einleitung spricht die Biographin Andrea Richter (München).

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Sag niemals nie. Eine unmögliche Liebe in Irland.

Charlotte Kaufmann (Pseudonym) mit Dr. Claudia Löschner. Stuttgart 2018 (im Erscheinen)

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“Wie schreibe ich eine Autobiographie?”

“Wie schreibe ich eine Autobiographie?”

Diese Frage treibt viele Menschen um, die ihre Lebenserinnerungen bewahren und teilen möchten. Wertvolle Erfahrungen sollen nicht vergessen werden und die eigene Familie, Kinder, Enkel und Urenkel sollen für immer die Möglichkeit behalten, nachlesen zu können, wer Sie waren. Sie sollen erfahren können, wie Sie gelebt haben und was Sie gedacht, gewünscht und erreicht haben.

Eine umfassende Autobiographie als Buch ist eine optimale und überzeitliche Form für die Umsetzung dieses Anliegens. Und als Projekt wirft sie zugleich viele Fragen auf: Wo soll ich anfangen? Wie gestaltet man den Aufbau einer Biographie? Wie stelle ich sicher, dass alles Wichtige enthalten und dass es verständlich ist? Wie kann ich spannend schreiben, so dass mein Buch die Leser nicht langweilt, sondern gerne und mit Freude gelesen wird?

Dieses Gefühl, nicht zu wissen, wo man anfangen soll, ist mir oft begegnet. Als ich selbst vor einigen Jahren ein Buch über meine Familie schrieb erlebte ich es genauso. Und ich habe mich in der Folge sehr umfassend mit möglichen Lösungswegen auseinandergesetzt. Zehn grundlegende Ratschläge, die Ihnen das Anfangen vereinfachen können finden Sie in diesem Blogbeitrag.  Weitere Anregungen zur Frage, wie man den “großen Kraftakt” durchstehen kann und meine meine bewährtesten Ratschläge habe ich in meinem Beitrag auf dem Blog des Biographiezentrums  zusammengefasst.

Außerdem gibt es zu diesem Thema ein Video von mir: “Der große Kraftakt“. Wie das Schreiben Ihrer eigenen Biographie leichter werden kann, das Sie sich hier ansehen können.

Die Gliederung einer Biographie

Es gibt also für all diese Fragen Handreichungen, bewährte Gliederungen und Musterlösungen, die Ihnen helfen, Ihr Ziel zu erreichen. Welche Zugangsweise genau passend ist für Sie, ist eine individuelle Frage, die wir in einem Gespräch klären können.  Ich helfe Ihnen im Rahmen einer Biographie-Begleitung mit einer konkreten Struktur, die Sie Schritt für Schritt abarbeiten können, um Ihr großes Ziel, Ihre Lebenserinnerungen aufzuschreiben, aus eigener Kraft und mit eigener Feder zu erreichen.

 

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‚Biografie!‘ ist das Motto von literaTurm 2018

Veranstaltungstipp

Gerne teile ich diesen Veranstaltungstipp mit Ihnen. Das Thema Biografie steht zweifellos hoch im Kurs. Diejenigen, die an Ihrer Biographie schreiben oder sich darauf vorbereiten, nehmen dies vielleicht als „Rückenwind“ und Bestärkung.  Manche von Ihnen werden auch ganz unbeeindruckt weiterschreiben, weil Sie für das eigene Projekt an und für sich nicht mehr brauchen, als den Wunsch und Ihr bevorzugtes Schreibwerkzeug.

9. Literaturfestival FrankfurtRheinMain vom 4. bis 10. Juni in Frankfurt und der Rhein-Main-Region

(ffm) Alle zwei Jahre veranstaltet die Stadt Frankfurt ein großes Literaturfestival in Frankfurt und der Rhein-Main-Region. Als Konzeptfestival setzt literaTurm einen wechselnden thematischen Schwerpunkt. In diesem Jahr stehen unter dem Motto „Biografie!“ zum Buch gewordene Lebensgeschichten im Zentrum. Zwei Lesungskonzerte mit dem Ensemble Modern, mehrere Podiumsgespräche und ein Filmabend runden das Programm ab. Insgesamt finden 44 Veranstaltungen mit rund 100 Autoren, Wissenschaftlern, Journalisten und Musikern statt. Der Frankfurter OpernTurm bleibt ein zentraler Veranstaltungsort.

Vom 4. bis 10. Juni veranstaltet das Kulturamt Frankfurt zum neunten Mal das Literaturfestival literaTurm. Unter dem Motto „Biografie!“ präsentiert das Festival in diesem Jahr die verschiedenen Formen des Erzählens von Lebensgeschichten: als Sachbuch zu historischen Figuren, als Autobiografie oder autobiografisch grundierter Roman oder als Künstlerroman. Podiumsgespräche, wie zum 200. Geburtstag von Karl Marx oder dem Jubiläum von 1968, ein von literaTurm in Auftrag gegebenes Lesungskonzert mit Felicitas Hoppe und Iris ter Schiphorst, interpretiert vom Ensemble Modern und ein Abend zu georgischer Literatur begleiten das Programm. Insgesamt 81 Schriftsteller, Wissenschaftler und Journalisten diskutieren und untersuchen im Rahmen des Festivals die verschieden Spielarten biografischen Schreibens.

Kulturdezernentin Ina Hartwig unterstreicht die Bedeutung von literaTurm als bundesweit einmaliges Konzeptfestival und betont seine Stadt und Region verbindende Kraft: „Als Festival, das sowohl in Frankfurter Türmen als auch an ausgewählten Orten der Region wie in Wiesbaden, Offenbach, Bad Soden, Hanau und Oestrich-Winkel stattfindet, festigt literaTurm das gemeinsame Selbstverständnis der Rhein-Main-Region als ein kulturelles Kraftzentrum. Mit seinem diesjährigen Motto ‚Biografie!‘ greift das Festival Fragen im Spannungsfeld von Herkunft, individueller Lebensgeschichte und Identität auf, die gerade angesichts der aktuellen politischen Entwicklungen von großer Bedeutung sind.“

Festivalleiterin Sonja Vandenrath ergänzt: „Biografien erleben eine Renaissance. Sie heben ein Einzelschicksal heraus, das über das rein Individuelle hinausweist. Das kann ein Zeitalter, ein Werk oder auch ein Menschheitsverbrechen sein. Ob die Lebenswege wirklich so waren, spielt bei Biografien weniger eine Rolle als die Frage, wie gut sie erzählt sind. Das gilt umso mehr für ein Literaturfestival wie literaTurm, das im biografischen Schreiben das Literarische sucht. Imagination und Erzählfluss verbindet die in diesem Jahr vorgestellten Biografien mit autobiografisch grundierten Romane und den Künstlerromanen. Wie noch nie zuvor bewegt sich literaTurm 2018 im Zwischenreich der Fakten und Fiktionen.“

Zu den Höhepunkten des Festivals zählt die Eröffnungsveranstaltung im Dominikanerkloster mit der Uraufführung eines Lesungskonzertes, das die Schriftstellerin Felicitas Hoppe und die Komponistin Iris ter Schiphorst konzipiert haben. Die Auftragskomposition für literaTurm 2018 wird vom Ensemble Modern aufgeführt. Weitere Höhepunkte sind Veranstaltungen mit Karl Heinz Bohrer, Eva Demski, Durs Grünbein, Jakob Hein, Dominique Horwitz, Lamya Kaddor, Ijoma Mangold, Anthony McCarten, Klaus Modick, Ralf Rothmann, Barbara Stollberg-Rilinger, Linn Ullmann, Josef Winkler sowie Martin Walser zusammen mit Jakob Augstein.

Seinem Anspruch als kuratiertes Konzeptfestival wird literaTurm erneut mit einer Reihe von hochkarätig besetzten Podiumsdiskussionen gerecht: anlässlich des Karl Marx-Jubiläumsjahr sprechen die Biographen Jürgen Neffe, Eva Weissweiler und Uwe Wittstock über seine Person und sein Werk (6. Juni). An die 68er-Bewegung, ihre Erfolge und die gemeinsamen Jahre mit dem politischen Aktivisten Rudi Dutschke erinnert der Abend mit dessen Weggefährten Gretchen Dutschke und Milan Horáček im Gespräch mit dem Politologen Wolfgang Kraushaar (10. Juni).

Zum neuen Schwerpunkt Sachbuch sind im Programm etwa neuere Biografien zu Ludwig van Beethoven, Helmut Kohl, Helmut Schmidt, Claude Lévi-Strauss und Kaiserin Maria Theresia vertreten. Ein Filmabend rundet das Festivalprogramm ab und zeigt den Werdegang der amerikanischen Dichterin Emily Dickinson in „A Quiet Passion“ von Terence Davies (2016).

Ein Großteil der Veranstaltungen findet auch in diesem Jahr wieder in den namensgebenden Türmen statt. Dazu zählen der OpernTurm und die nahe gelegene ODDO BHF-Bank. Neu hinzugekommen ist der ebenfalls an der Bockenheimer Landstraße gelegene Büroturm Westend-Duo. In Frankfurt sind darüber hinaus das Archäologische Museum, die Mensa der Städelschule, das Dominikanerkloster, das Haus der Deutschen Ensemble Akademie, das Freie Deutsche Hochstift, das Hessische Literaturforum im Mousonturm, das Literaturhaus, das Filmmuseum, das Haus am Dom, die Evangelische Akademie Frankfurt, das Diakoniezentrum WESER5 und der Kuhhirtenturm Lesungsorte. Außerhalb Frankfurts finden zudem Veranstaltungen in Bad Soden, Bad Vilbel, Darmstadt, Eppstein, Hanau, Hochheim, Oberursel, Offenbach, Oestrich-Winkel und Wiesbaden in Zusammenarbeit mit lokalen Partnern statt. Sie werden ermöglicht durch die großzügige Unterstützung des Kulturfonds Frankfurt RheinMain.

literaTurm wird gefördert durch den Kulturfonds Frankfurt RheinMain sowie zahlreiche Raumsponsoren und Kooperationspartnern. Unter http://www.literaturm.de sind alle Informationen zu den Veranstaltungen und Mitwirkenden abrufbar. Das Festival wird auf in den sozialen Medien mit dem Hashtag #literaturm2018 kommuniziert.

 

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Die Biographie und die Angst vor dem Öffentlichwerden

Manche Biographie bekommt vor dem Druck „die Zähne“ gezogen…

Ja, es ist ein fragiler Prozess bis die gemeinsame Arbeit an der  Biographie wirklich beginnen kann. Und ist der Vertrauensaufbau vollzogen, dann ist es ein wunderbarer Moment, wenn mir das Erzählen so ganz lebendig entgegenfließt…

Aber dann, im Zuge des Korrigierens und Überarbeitens bekommt mancher Kunde es plötzlich mit der Angst zu tun. Er beginnt, zu Intimes, zu Scharfes zu Direktes zu streichen. Und natürlich hat er das volle Recht dazu und behält immer das letzte Wort. Und diese Angst taucht auch auf, wenn es sich um eine sehr kleine Auflage von 20 oder 30 Exemplaren handelt. Denn nie lässt sich mit Sicherheit bestimmen, in welche Hände das Buch gerät.

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Doch ich kann es nur unterstreichen, mir ist es als Biographin niemals gleichgültig, wenn eine Lebensgeschichte plötzlich ihre Ecken und Kanten verliert. Wir Biographen sind ja keine „Automaten“, die einfach verschriftlichen. Sondern wir sind es gewohnt, das Potential jeder Geschichte ganz zur Geltung zu bringen. Wir helfen beim Erinnern, beim Sortieren, beim Pointieren und meist auch dabei, neue Interpretationen zu gewinnen und Erinnerungen emotional zu durchdringen. Das ist ein sehr umfassender Prozess. Das Buch soll dem Leser Freude machen und ihn in Bann ziehen. Und es soll dem Kunden und seinem Leben in der ganzen spannungsreichen Fülle entsprechen. Wenn dann die Angst vor der eigenen Courage, den Kunden zu Streichungen veranlasst, dann ist das natürlich ein Verlust. Meist auch für den Kunden selbst.

Deswegen sind mir Konstellationen besonders lieb, die es den Kunden erlauben, ihr Buch aus vollem Herzen und ohne Vorbehalte zu schreiben. Auch wenn es manchmal kauzige Lösungen sind….
Hier kommen vier Varianten, der Angst vor dem Öffentlichwerden aus dem Weg zu gehen:

1.) Eine Kundin publiziert ihr Buch unter Pseudonym, mit veränderten Namen von Personen und Orten. Selbst der engste Kreis weiß nicht, dass das Buch überhaupt geschrieben wird. Sie erreicht damit einerseits, dass ihre Geschichte der Öffentlichkeit zugänglich wird. Andererseits kann sie sich später, bei einem „Mut-Anfall“, natürlich immer noch ihrer Familie offenbaren.

2.) Ein Kunde verfügt notariell, dass seine Biographie erst etliche Jahre nach seinem Ableben veröffentlicht werden darf. Damit wird nicht nur er selbst nicht mehr betroffen sein, sondern auch seine unmittelbaren Weggefährten werden es nicht sein. Und die spannende Lebensgeschichte geht doch nicht verloren.

3.) Besonders diplomatische Kunden optieren für eine doppelte Lösung: Sie lassen zwei Versionen drucken, eine „zensierte“ für den weiteren und eine „unverblümte“ für den allerengsten Kreis. Ob das gutgeht? Man muss sich sicherlich vorsehen…

4.) Manchem Kunden ist von vornherein bewusst: „Wenn ich ein Buch über mein Leben schreibe, dann wird es – egal, wie ich es anstelle – immer jemanden geben, der nicht einverstanden ist. Und ich kann vorher nicht einmal sicher wissen, wo für wen eine ‚Bombe‘ liegt.“
Und dann erzählen sie geradeheraus und lassen am Ende alles so stehen, wie sie es nun mal empfinden. (Und die Biographin denkt natürlich ohnehin immer mit. Auch wenn der Kunde die Text-Hoheit hat, wird sie doch zumindest einen dezenten Hinweis geben, wenn ihr eine Person allzu schwarz gezeichnet erscheint. Viele „Bomben“ lassen sich nämlich entschärfen, ohne dass umfangreich gestrichen werden müsste.)

In diesem Sinne:
Erzählen / Schreiben Sie so, dass es Sie wirklich bewegt. Oder kennen Sie etwas Unnützeres als eine langweilige Geschichte?

Ihre
Dr. Claudia Löschner

 

Neuer Biographie-Schreibkurs am 14. April 2018

Eine Kooperation mit PfiStar: Was wäre, wenn ich jetzt gehe?4ED2D858-5176-4106-BBDC-DF9134D1FC76.jpeg

Wer sich über Vollmachten, Patientenverfügung und die Klärung letzter Angelegenheiten beschäftigt, dem können viele weitere, tiefgehende Fragen in den Sinn kommen.

In manchen Trauergesprächen treffe ich auf ein Vakuum: Die Lebensstationen des/der Verstorbenen lassen sich leicht herausfinden. Doch was war das Wichtige, Berührende und Bedeutende in diesem Leben? Was war gut darin, was nicht? Was waren die innigsten Momente? Welche Erwartungen und Sehnsüchte standen hinter den Taten?

Auf diese Fragen gibt es manchmal keine Antworten mehr. Und das ist für die
Angehörigen ein großer Schmerz. Denn jedes Leben ist es wert, erzählt zu werden. Das Erzählen und Festhalten Ihres Lebens ist Trost und Geschenk.
All die Geschichten Ihres Lebens kennen Sie so gut wie niemand sonst. In diesem
„Crashkurs“ lernen Sie, wie Sie auf einfache und für Sie stimmige Weise, Ihre

https://pfistar.de/workshops/100-prozent-leben-stuttgart-beckmann-loeschner/

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„Die Buch-Hebamme Claudia Löschner“

Ein Buch ist ein tolles Geschenk. Vor allem ein selbstgeschriebenes.

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Nicht alle Bücher fließen locker flockig aus Ihren Urhebern heraus. Manche Bücher brauchen eine Menge Zeit, Arbeit, Ermutigung und oft bringen sie während ihres Entstehens eine steile Lernkurve mit sich. (Fangen Sie ruhig zu schreiben an, auch wenn Sie der Meinung sind, sie können es noch gar nicht richtig. Sie lernen es „unterwegs“, in dieser Hinsicht ist es das Schreiben wie das Leben.)

Ich freue mich immer sehr, wenn ich mithelfen darf, beim Ans-Licht-Ziehen eines neuen Buches. Gestern kam ein Buch-Dankeschön bei mir an, das mich sehr berührt hat. Ich habe das Manuskript von „Hotspots“ begleitet und der Autorin Christiane Engelhardt (Ärztin für Psychotherapie) Seite für Seite beigestanden. Dabei haben mich ihre Geschichten, die Etappen und Erfahrungen ihrer beruflichen Laufbahn enthalten, in Bann gezogen. Die Geschichten sind freilich allesamt ihre und doch sind sie jetzt auch meine, einfach weil ich sie sehr genau kennen- und lieben gelernt habe. Es steckt so viel Lebensfreude und so viel Lebenserfahrung in diesem Buch. Es strotzt nur so vor Kraft und macht Mut.Die Geschichten in diesem Band sind sehr unterschiedlich, jede eröffnet eine ganz neue Welt, eine neue Umgebung, neue Kulturen, neue Charaktere. Das gefällt mir, es ist irgendwie modern. Vor allem mischen sich höchst einfache und grundlegend menschliche Alltagsprobleme mit hochkomplexen aus der modernen Arbeitswelt.Obwohl die Ärztin für Psychotherapie hier nicht einfach „aus dem Nähkästchen plaudert“, sondern in immer neuen Perspektiven an die Figuren heranzoomt, verschiedene Blickpunkte ein- und ausblendet, erfahren wir viel über aktuelle Fragen ihres Fachgebiets. Diese werden durchaus wichtiggenommen und keinesfalls unterminiert, am Ende aber doch eingeordnet in einen resolut vertretenen Bezugsrahmen herzlicher Menschlichkeit. Entstanden ist ein Buch, das ans Herz und an den Verstand geht.

Wenn Sie an Ihrem Buch schreiben, lassen Sie sich bitte nicht durch die Frage verunsichern, ob Sie wirklich gut schreiben können. Oder ob es der Buchmarkt braucht jnd wie und wo es dort Platz finden kann. Sie haben etwas Wertvolles erlebt und erfahren,  Sie möchten es teilen – ob lieber nur mit mit Angehörigen oder mit der ganzen Welt. Dieser Wunsch nach Ausdruck und Weitergabe des wahrscheinlich Wertvollsten, das Sie besitzen, ist der allerbeste Grund, ein Buch zu schreiben. Alles Weitere findet sich, das habe ich immer wieder erlebt.

Falls Sie neugierig geworden sind:

Christiane Engelhardt: Hotspots. Geschichten zwischen Orient und Okzident

https://www.bod.de/booksample?json=http%3A%2F%2Fwww.bod.de%2Fgetjson.php%3Fobjk_id%3D2242481%26hash%3Dcc5ac575e51477198041fbb5eaac3b88

 

 

„Bei mir müssen die Leute gar nichts“

Ein Interview mit Kerstin Wodetzky über die Arbeit als Seelenpflegerin

(Bitte klicken Sie auf das Bild, um das Interview zu hören.)

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Was machen BiographInnen? Ich geb‘ es zu, nur ganz selten wird mir diese Frage überhaupt gestellt und die Antwort ist im Kern so einfach, dass der Fragende meinen Antwortsatz nach wenigen Worten schon absehen kann:

„Definition: Als Biographin helfe ich Menschen dabei, ihre Lebensgeschichte aufzuschreiben und zu publizieren.“

Was so einfach klingt, hat viele Facetten. Eine der schönsten Facetten ist die Offenheit, die ich meinem Auftraggeber gegenüber einnehmen darf. Der Auftrag laut nämlich, das Buch seines Lebens zu schreiben. Und was genau das umfasst, scheint nur am Anfang ganz fest umrissen. Dann erweist es sich – zum Glück! – immer als ein spannender Prozess. Es gibt mitunter Wendepunkte und Planänderungen, manches ahne ich sogar im Voraus, anderes überrascht mich.  In jedem Fall bleibe ich nah am Herz meines Kunden, denn allein er / sie legt fest, was an seinem / ihrem Leben das Besondere und Erzählenswerte war und ist, wo ein Schwerpunkt gelegt werden soll und wo bitte nicht. Und ich finde es wichtig zu ergänzen: Die entstehenden Bücher werden in diesem Prozess stimmiger und dichter und der individuelle rote Faden wird immer deutlicher sichtbar.

Neue Erzähl- und Lebensfreude

Und nun zum heutigen Fokus: Vor einigen Monaten lernte ich die Seelenpflegerin Kerstin Wodetzky zufällig in einem Café kennen. Sie hatte mitbekommen, wie ich mit einem Biographie-Interessenten ein intensives Vorgespräch führte. Manches daran hat sie an ihre eigene Arbeit erinnert, berichtete sie später. Jedenfalls – typisch Kerstin – sprach sie mich im Anschluss einfach direkt an. Wir unterhielten uns lange und sind seitdem immer wieder im Gespräch. Was eine Seelenpflegerin macht, habe ich allmählich immer genauer verstanden. Ja, es lässt sich nicht so leicht auf eine Formel bringen wie bei meiner Arbeit. Als Seelenpflegerin begleitet Kerstin Menschen auf ihrem Lebensweg, hat Zeit und Offenheit für sie, lässt sie aufblühen, indem sie ganz viel Druck von ihnen nimmt. Das Erzählen der eigenen Lebensgeschichte ist kein Muss, doch oft wird es dann ein ganz leichtfüßiger Teil der Gespräche. Und gerade diejenigen Menschen, denen die Lust am Erzählen eigentlich vergangen war, bekommen bei Kerstin neue Erzähl- und Lebensfreude. Continue reading “„Bei mir müssen die Leute gar nichts“”

Neuerscheinung: Christiane Engelhardt Hotspots. Geschichten zwischen Orient und Okzident

Erfolgreiche Zusammenarbeit am Band mit zehn biographischen Geschichten

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Mit Freude nehme ich die Mitteilung auf, dass im Januar 2018 der biographische Geschichtenband Hotspots. Geschichten zwischen Orient und Okzident meiner Kundin Christiane Engelhardt erschienen ist. Die Autorin Liane Dirks hat uns miteinander bekannt gemacht, ein folgenreicher und schöner Kontakt. Ich habe den Band Hotspots ein Stück begleitet und freue mich sehr, dass er nun „in der Welt“ ist!

Aus dem Klappentext:

Hotspots erzählt in zehn Geschichten von Menschen zwischen Orient und Okzident, die trotz erschütternder und einschneidender Ereignisse ihr Leben nicht aufgeben.
Auf unterhaltsame und einfühlsame Art bearbeitet die Autorin Christiane Engelhardt Themen aus ihrem Praxisalltag als Fachärztin für Psychosomatik und Psychotherapie. Es geht um Depression, traumatische Trauer und psychische Erkrankung bei interkulturellen Problemen, nach Migration und Flucht, Mobbing und sexuellem Missbrauch. Damit greift die Autorin Themen auf, wie sie durch die Flüchtlingswelle 2015 mit ihrer multiplen Problematik und die laufende Debatte zu sexuellen Übergriffen aktueller nicht sein könnten.
Die Autorin zieht Parallelen zwischen den aus der Geologie stammenden Begriff der Heißen Flecken, die bei der Entstehung von Hotspots-Vulkanen eine Rolle spielen und hochsensiblen Punkten im menschlichen Gehirn, die nach ihrer Ansicht Ursprungsorte für impulsive psychische Reaktionen sein können.
Indem sie wahre Begebenheiten und tiefgründiges Fachwissen in narrativ gelungene Geschichten verpackt, nimmt die Autorin die Schwere und gibt diesen ernsten Themen eine handhabbare Leichtigkeit. Hotspots ist somit kein Fachbuch, sondern vermittelt, wie durch verständnisvolle Gespräche mit Empathie, Liebe und wechselseitigem Respekt Probleme gemeinsam gelöst werden können; wie Verzweiflung und Eskalation gemildert werden, so dass Hoffnung und Vertrauen in neue Wege entstehen. Es ist ein Manifest zur Lebensbejahung trotz und gerade im Umgang mit schwierigen Erfahrungen und dem vieldeutigen Leid in unserer Mitte.

Link zum Buch: https://www.bod.de/buchshop/hotspots-christiane-engelhardt-9783746068039#review-form